500 Jahre Reformation [1517 – 2017] und die spätmittelalterliche Frömmigkeit

„Tückisch, viehisch, teuflisch . . . !“


„Tückisch, viehisch teuflisch …!“ brandmarkte der letzte katholische Stadtpfarrer Dr. Georg Oßwald die religiösen Ansichten und Ideen der Reformation und bekämpfte vehement die protestantischen Prediger, die nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg und im Zuge der Reformationsbewegung in Geislingen schon ab 1524 aktiv geworden waren. Bis 1531 wehrte sich der standhafte Pfarrer in Geislingen, als im Ulmer Reichsstadtgebiet die Reformation eingeführt und er seines Amtes enthoben wurde. Doch die Geislinger Bürgerschaft war in Glaubensfragen zutiefst gespalten, und die Mehrheit verharrte im alten Glauben. Es dauerte noch bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, bis der Widerstand der altgläubigen Bürgerschaft erlosch.Luthers angeblicher Thesenanschlag an das Tor der Schlosskirche in Wittenberg am 31. Oktober 1517 gilt als der Beginn der Reformation im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und hatte weitreichende Auswirkungen auf die gesamte christliche Kirchenwelt.

Die Thesen formulieren eine Kritik an den damals herrschenden Zuständen auf der Grundlage der Bibel. Den Ablasshandel erklärt Luther in den Thesen für Menschenwerk, weil die Bibel dafür keine Grundlage enthält. Kurfürst Friedrich III. der Weise von Sachsen unterstützte Luther in dieser Haltung, weil auch er den Abfluss der Ablassgelder aus dem eigenen Territorium nach Rom nicht dulden wollte. Aufgrund dieses fürstlichen Schutzes konnte sich Luther auf dem Reichstag in Worms 1521 behaupten und danach als „Junker Jörg“ auf der Wartburg die Bibel ins Deutsche übersetzen. Das Neue Testament wurde im September 1522 in 3.000 Exemplaren gedruckt und verbreitet. Damit war die Reformation auf den Weg gebracht.

Der Kulturherbst 2017 blickt auf eine Welt im Spannungsfeld zwischen spätmittelalterlicher Frömmigkeit und Aufbruch in die Neuzeit, in Geislingen und darüber hinaus.